Benni und Hafeti

Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich Benni und Háfeti so oft wie möglich zusammen in der Halle laufen und spielen und fellkraulen lassen. Benni ist an Hals und Flanken geschoren, weil er extrem schnell schwitzt. Háfeti ist nicht geschoren, weil ich ihn nie so lange reite, dass er richtig nass wird. Beide Pferde freuen sich dennoch über das Wälzen und das miteinander-toben-dürfen. Das dritte Bild zeigt Benni an Neujahr mit einer "Sturmfrisur". Ob er nachts viel gefeiert hatte?

Am Mittwoch, 9.11.2016, war so schönes Wetter, dass ich nicht drinnen sein mochte mit den Pferden. Zumal Háfeti am Abend davor eine Asthmaanfall hatte und ich der festen Überzeugung war, dass er dringend frische Luft braucht. Der Reitplatz war zum Reiten zu hart gefroren, also bin ich mit Háfeti spazieren gegangen, und Anne und Benni haben uns begleitet. Das war auch ein guter Test: Anne ist mal vorgetrabt oder -galoppiert und kam dann wieder zurück. Benni machte das ziemlich gut mit, und Háfeti ließ sich davon überhaupt nicht irritieren, sondern blieb gut bei mir.

An diesem Foto mag ich sehr, dass beide Pferde im Gleichschritt gehen. Háfeti ging nur ein kurzes Stück als Handpferd (nur für das Foto), sonst hätte ich wahrscheinlich den Strick am Kappzaum noch anders befestigt.

24.8.2016

Während Háfeti noch guckt, wo er sich befindet, mümmelt Benni schon am Gras. Immerhin waren beide noch nicht auf der Weide gewesen. Benni trug dann auch lange noch ein Grasbüschel zusammen mit seiner Trense im Maul herum, bis ich ihm unterwegs es dann rauszog. (Ich erwähne das, weil es zeigt, wie entspannt ich war und wie sicher ich mich auf Háfeti fühlte. Immerhin musste ich mich weit hinüberlehnen, um an Bennis Maul heranzukommen. Und so ganz freiwillig hat er seine Marschverpflegung auch nicht hergegeben...)

Yeah - wir haben es gewagt! Und gewonnen! Ich hatte ja schon länger das Gefühl, dass ich Háfeti und mir eine neue Herausforderung stellen muss. Immer nur Tölt und Trab unterscheiden üben... Und wenn der Sommer sich mal von seiner guten Seite zeigte, lockte die Erinnerung an frühere schöne Ritte im Wald. Als dann meine (erwachsene) Patentochter Dorothe zu Besuch kam UND das Wetter gut war UND Ebba zugesagt hatte, uns zu begleiten, sind wir frühmorgens😉 losgefahren (also um 9h vom Stall weg und um halb zehn im Wald eingetroffen). Benni und Háfeti gingen anstandslos auf den Hänger, nur beim Aussteigen im Wald wollte Háfeti unter der hinteren Stange durch (ich hatte einen großen Hänger ausgeliehen, wo die Stange für Warmblüter entsprechend hoch angebracht ist...) und war etwas ungeduldig. Aber bereits auf den ersten Fotos sieht man, dass er sich sofort wieder entspannte. Und er und Benni blieben entspannt, und Dorothe und ich genossen den Ritt. Es waren noch nicht viele Bremsen unterwegs, so dass wir auch in dieser Hinsicht keine Probleme hatten.

 

Ich war ja mit Háfeti erst ganz wenige Male ausgeritten, und immer in einer großen Gruppe und nur im Schritt. Ich wusste von daher, dass er sowohl vorne als auch hinten geht und wollte das im Wald einfach noch mal überprüfen. Er hat einen deutlich schnelleren Schritt als Benni, deshalb war das Vorausgehen einfach. Aber auch nebeneinander und hintereinander ging, letzteres vor allem, als an beiden Seiten eines Weges unheimliche Schilder standen. Da glotzte er vorher ein bißchen und war dann dankbar, dass er sich an Bennis Schweifrübe andocken durfte und in seinem Schatten unbemerkt an den potentiellen Monstern vorbeikam. 

Wir ritten auch ein bißchen Trab/Tölt, und/aber es bestand keine Gefahr, dass die Pferde ins Rennen kamen. Erstens waren sie grundsätzlich die ganze Zeit entspannt, zweitens kamen doch immer wieder Pfützen, die langsam im Schritt umrundet werden mussten. Das Durchparieren bei Háfeti war einfach, ich denke, dass sich da die ruhige Art meiner Ausbildung doch schon bewährt hat. Er ging zwischendurch einen so fleißigen und gelassenen Schritt, dass Benni immer mal nachtraben musste, um den Anschluss zu halten. Das kenne ich auch von den Ausritten, die ich mit Benni machte. Er hat einfach ein langsames Grundtempo. Aber er mag auch gerne vorne sein, denn sonst fürchtet er, die Herde zu verlieren. Und dann kann er schon ganz schön kernig werden. Sprich: Er macht dann einen Hals wie ein Andalusierhengst, trabt hinterher und (also fast😇) piaffiert nebenher. Das war aber heute höchstens andeutungsweise der Fall. Wir konnten im Trab einander überholen, vor- oder nachreiten oder auch nebeneinander reiten, wenn der Weg es zuließ. Zu einem schnelleren Tempo fehlte mir der Mut. Wenn Benni im Galopp ist, welchen seiner 5 Gänge nimmt Háfeti dann?? Außerdem waren ja die Pfützen und teilweise steinige Wege.

Da hab ich eine Schuld auf mich geladen, was Háfetis Hufe angeht. Er mochte auf den steinigen Wegen nicht gehen und drängelte immer an den Wegesrand, und ich vergaß auf dem Rückweg Ebbas Rat, nicht rechts, sondern linksherum zum Hänger zurückzureiten. Sonst hätten wir noch einen weicheren Weg gehabt. Dennoch werde ich Háfeti wohl beschlagen lassen müssen, wenn die Ausritte im Wald sich mehren sollten...mit den Hufschuhen hatten wir nicht so viel Glück bisher. Ich finde sie a) sehr schwer anzuziehen, b) er läuft damit wie mit Fremdkörpern c) und hat sie auch schon (also einen) verloren. Vielleicht ist es auch nur das falsche Modell.

 

Ebbas Fotos haben die morgendlichen Lichtverhältnisse und die entspannte Gelassenheit von uns allen gut einfgefangen. Ich finde, Benni ist sehr fotogen und sieht einfach gut aus, und Háfeti ist ja "richtig" nicht so gut im Gegenlicht zu erkennen. Aber mindestens auf den ersten beiden Fotos ist er auch hübsch! Ich liebe sie beide...schmacht...💝💝

Benni Update Stand 1.8.2016

Bennis Tickern hielt den ganzen Winter 2015/2016 über an, mal mehr, mal weniger. Ich ritt ihn gar nicht mehr aus Sorge, mein Gewicht würde alles nur noch verschlimmern. Aber er wurde von Kindern und Jugendlichen geritten, und dabei geschah es, dass sich eine auswärtige Reitschülerin total in ihn verliebte.  Nach vielem Hin und Her willigte ich ein, ihn ihr zu verkaufen. Ich war der Ansicht, eine gute und verantwortete Entscheidung für ihn getroffen zu haben: Er würde ab und zu geritten werden, er käme in einen Offenstall mit Pferdegesellschaft. Und ich dachte, er würde vielleicht glücklicher sein, wenn er meine dauernde Sorge um ihn bzw. meine Unzufriedenheit wegen seines Tickerns und dass ich evtl mehr von ihm will als er leisten kann, nicht mehr spürt.

So zog er um, und es war, wie er früher bei Turnieren auch "umgezogen" war: er kam dort an, fand sein Futter, arrangierte sich mit den anderen Pferden und alles war gut.

Am dritten Tag riefen die neuen Besitzer an: Benni frisst nicht. 😳

Benni??? Nicht fressen???

Ich fuhr sofort hin, er wieherte mir entgegen, als er meine Stimme hörte, und ich fand ihn klein und dünn, als ich mich neben ihn stellte und ihn streichelte. Aber es mümmelte Heu und schien ansonsten okay zu sein. Also dachte ich: Da muss er eben durch - und fuhr wieder nachhause.

Mit jedem Kilometer musste ich mehr heulen. Und als ich wieder zuhause war, war ich mit den Nerven völlig am Ende, hatte nur noch Angst, dass er Kolik kriegt und gar nicht wieder zu Kräften kommt, rief an und sagte, dass ich ihn wieder zurückhole. Die neuen Besitzer schienen mir sogar ein wenig erleichtert, auf jeden Fall verständnisvoll zu sein. Ich lieh mir auf die Schnelle einen Hänger (war seit Jahren nicht mehr Hänger gefahren UND es war Schnee angesagt, mir war alles egal, Hauptsache ich krieg mein Pferd wieder...), fuhr wieder hin, gab das Geld zurück und fuhr mit Benni nachhause. Seine alte Box war für seine Heimkehr vorbereitet worden, er stiefelte hinein und schlief und fraß und fraß und schlief den ganzen nächsten Tag. Und danach wurde er wieder der Alte, nahm wieder zu und es war, als wäre dieser dreitägige "Ausflug" nicht gewesen. (Außer dass ich ihn nun noch wieder viel mehr liebhabe als vorher).💝

Und deshalb hab ich uns einen neuen Sattel gekauft (das gleiche Modell, das ich auch für Háfeti benutze). Denn wenn Benni nun entschieden hat, dass ich eh für ihn bis an sein Lebensende bezahlen muss, dann will ich ihn doch wieder reiten und dann will ich es auch bequem auf ihm haben. So nutzen die Reitschüler den Trekker Sattel und ich den Ibero Verano. Und - was soll ich sagen - Benni wurde immer besser. Das Tickern ließ nach, neulich war noch einmal eine Osteopathin bei ihm und löste kleine Blockaden und versicherte mir, dass mit seinen Gelenken alles okay ist. Ich reite ihn jetzt einmal die Woche im Dressurunterricht, und das Tickern ist weg, auch im Freilauf und auch, wenn Kinder ihn reiten.

 

 

 

Háfeti Update vom 1.8.2016):

Über den Winter habe ich mit Ebbas Begleitung weiter daran geübt, Trab und Tölt voneinander zu trennen und entweder das eine oder das andere zu reiten. Wir haben gute Fortschritte gemacht. Nur in Ecken, bei Handwechseln oder wenn andere Pferde seiner Meinung nach zu eng an ihm vorbeilaufen, verspannt Háfeti sich noch leicht und verliert dann den Trab. Aber er findet ihn schon sehr schnell wieder.

Unser neues Thema ist jetzt das langsame Traben (oder langsamere Traben). Háfetis Trab ist sehr schwungvoll und schick, und er gibt vom Tempo her gerne 150%. Inzwischen entspannt er sich besser, senkt den Hals und wölbt den Rücken, und ich kann sogar schon ab und zu mal aussitzen.

Bei den Zirkuslektionen kann Háfeti den spanischen Schritt schon im Vorwärtsgehen zeigen, abwechselnd rechts und links. Der Ausdruck könnte noch besser und erhabener werden, aber insgesamt hat er sich deutlich gesteigert. Wir üben auch immer mal das Kompliment, und ein paarmal hab ich es schon hingekriegt, dass er das Röhrbein ablegte, aber doch noch eher selten. Mal sehen, wie es nächstes Jahr ist!

Immer wieder beim Freispiel übe ich das Kommen auf Zuruf und führe dazu meine rechte Hand in einem großen Bogen zu meinem Bauch. In der Halle klappt es sehr gut - er guckt erst und überlegt, und dann kommt er. Auf der Weide ist es je nach Tageszeit leichter oder schwerer. Wenn er imm Prinzip satt ist, kommt er schon über eine längere Strecke zu mir, wenn er noch Hunger hat, erst die letzten paar Meter. Aber immer ist es so, dass ich ihn zu mir kommen lassen kann.

Neulich war ich mit Janna, Benni und Háfeti im Wald. Wegen der vielen Bremsen sind wir nicht geritten, sondern haben die Pferde eingesprüht und nur geführt. Háfeti war dann total entspannt (Benni sowieso auch) und gut zu händeln. Gegen Ende ritt Janna ohne Sattel auf Benni, und Háfeti und ich liefen zu Fuß zurück zum Hänger, alles kein Problem. Aber es war das erste Mal, dass wir unterwegs waren (einmal Tierarzt nicht mitgerechnet).

 

Háfeti ist sehr auf mich fixiert. Neulich hat Janna ihn geritten, und am schwierigsten war es, von mir wegzukommen. Er klebte regelrecht an mir, und es schien, als würde er fragen: "Ist das richtig, dass da jemand anders auf mir sitzt? Kannst du bitte bei mir bleiben? Was soll ich tun?" Abgesehen davon hat er seine Sache super gemacht, und mich freut beides: dass er auf mich fixiert ist UND dass er andere Reiter akzeptiert und sich auch ihnen anvertraut. Er zeigt aber darin noch einmal mehr seine ungeheure Feinheit. Ich versuche manchmal, mir vorzustellen, wie schwer er es haben muss, mich zu verstehen. Denn ich bin hier oder da zu hart oder zu fest oder zu verkrampft oder dies oder jenes, und er ist fein und wach und in seinen Reaktionen so sensibel, der muss mich echt für einen Betonreiter halten. Und trotzdem (er)trägt er mich - und noch mehr: mag gerne von mir geritten werden... ein tolles Pferd 💖.